ZIELE SIND GUT – MASSNAHMEN SIND WICHTIGER

Am 1. Dezember gaben die Vertreter der ÖVP und FPÖ die Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energien bekannt. Ziele, wie der Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung auf 100% sind sehr zu begrüßen. Auch ein Ziel für den Wärmemarkt – 80% Wärme aus heimischer Energie bis 2030 – wie in dem Buch „Energie und Lebensmittel – Grundlagen zur Freieheit“2 vorgeschlagen, wäre notwendig.

Doch Ziele allein sind zu wenig – ein Blick in die Geschichte:

Die Geschichte der Klimapolitik in Österreich ist eine Serie von nicht erreichten Zielen und nicht eingehaltenen Verträgen:

  • 1997: In Kyoto verpflichtete sich Österreich seine Emissionen auf 68 MIo. Tonnen zu senken. Sie liegen heute um 17% höher als in Kyoto vereinbart!
  • 2009: Die Regierung beschließt eine Energiestrategie mit dem Ziel bis 2020 den Energieverbrauch zu senken. Doch 2016 liegt der Verbrauch schon 3% höher als 20081 .
  • 2015: Gemäß Paris Abkommen muss Österreich seine Emissionen jährlich um 3 MIo. Tonnen senken. Seit dem Abkommen sind sie jedoch jährlich gestiegen.
  • 2017: Regierungsverhandlungen: Österreich will das Paris Abkommen einhalten. Wird dies diesmal gelingen?

Die Erfahrung lehrt: Ziele ohne Maßnahmen sind wirkungslos!

Ziele beruhigen die Öffentlichkeit aber ändern nichts an der Realität. Die Regierung kann die Klimaziele nur erreichen, wenn umgehend Leitmaßnahmen umgesetzt werden. Solche unverzichtbare Maßnahmen sind:

  • Der Umbau im Steuersystem: höhere Besteuerung von Kohle, Öl und Gas, weniger Abgaben auf die Arbeit nach dem Grundsatz „Progressive Besteuerung aller Energieformen, die in einem neuen Energiesystem nicht mehr enthalten sein sollen“2.(Seite 62)
  • Ein neues Ökostromgesetz mit klaren, zeitlich fixierten Ausbauzielen, Einspeistarifen und anderen Instrumenten, um die Ziele zu erreichen, Monitoring.
  • Verbot der Installation neuer Ölkesseln, keine Förderung der Gasheizungen, Maßnahmenpaket E-Mobilität

Ohne diese konkreten Maßnahmen ist die Erreichung der Ziele nicht möglich!

Dringlichkeit: Ohne diese konkreten Maßnahmen, wird es nicht gelingen, Milliarden Euro, die jetzt für Energieimporte ins Ausland gehen, in Ausgaben für Energien aus Österreich umzulenken. Jetzt, am Beginn einer Legislaturperiode ist der günstigste Zeitpunkte, solche Lenkungsmaßnahmen einzuführen. Wenn diese Chance jetzt nicht genützt wird, ist sie dahin und es würde dann auch diesmal so wie in der Vergangenheit, bei Ankündigungen bleiben!

Verantwortung: Der rasche Umbau des Energiesystems ist auch entscheidend für die Senkung der Emissionen. Wenn nicht vor 2020 die deutliche Reduktion der Emissionen beginnt, ist gemäß UN Klima-Rat das 2°C nicht erreichbar. Die neue Regierung hat daher eine besondere Verantwortung. Sie ist die letzte, die eine Erwärmung auf weit über 2°C noch verhindern kann.

Referenzen:

  1. Energiestrategie Österreich, BMWFW. Wien. 2010; Energie in Österreich BMWFW. Wien. 2017
  2. Energie und Lebensmittel – Grundlagen zur Freiheit. Hrgb. N. Hofer. Wien. FPÖ Bildungswerk.2015

Eine neue Energie- und Klimastrategie für Österreich

Die Botschaft:
Österreich braucht eine neue Energiestrategie für die kommenden Jahrzehnte, die in Übereinstimmung steht mit den Anforderungen des Klimaschutzes, dem Streben nach Versorgungssicherheit und dem Bemühen um wirtschaftliche Impulse.

Die Ziele dieser neuen Strategie bis 2030 sollen sein:

  • Mehr als 60% Anteil erneuerbare Energien am Energiemix
  • Reduktion der CO2 Emissionen um mehr als 50% gegenüber 1990
  • 100% erneuerbarer Strom bis 2030

Dies erfordert eine Reduktion des Energieverbrauchs um knapp 200 PJ durch Verbesserung der Effizienz und Energiesparen einerseits und andererseits einen Ausbau der erneuerbaren Energien um mindestens 260 PJ bis 2030. Auf diese Weise kann der Verbrauch der fossilen Energien halbiert und die C02 Emissionen entsprechend reduziert werden.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die notwendigen Veränderungen im Sinne dieser Zielvorgaben:

2013 2030
Bruttoinlandsverbrauch 1300 1130
Erneuerbare    420 680
Fossile    830 420
Andere      50    30

Tabelle 1: Bruttoinlandsverbrauch Energie, Ö, PJ*
Zahlen gerundet, entnommen Unterlagen ÖBMV, ÖSTAT, Verband erneuerbare Energien, eigene Berechnungen. Die Zahlen sollen als Orientierung über das Ausmaß des notwendigen Umbaues dienen.

Reduktion des Verbrauchs
Die Reduktion des Bruttoinlandsverbrauches um 13% erfordert Maßnahmen der Effizienzverbesserung und des Sparens in allen Bereichen: Nutzung der Abwärme aus Industrie und thermischer Stromerzeugung, Vermeidung von Wärmeverlusten in der thermischen Stromerzeugung, Verringerung der Verluste in der Energieübertragung, der Wärmeverluste in den Gebäuden, effiziente Geräte, Beleuchtung, Fahrzeuge – kurzum in allen Bereichen der Energieverwendung geht es um Effizienzverbesserung. Die Möglichkeiten dazu sind noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Das ist die eine Seite der neuen Energiestrategie.

Ausbau der erneuerbaren Energien
Die andere Seite betrifft die erneuerbaren Energien. Sie müssen wesentlich rascher als bisher ausgebaut werden, um diese Ziele zu erreichen. Dies betrifft insbesondere den Ausbau bei Wind und Photovoltaik! Windstrom soll mehr als 20% des Bedarfs decken. Dank des Ausbaues der Photovoltaik soll jedes Wohnhaus den Großteil des benötigten Stroms selbst erzeugen, in Verbindung mit intelligenten Speicherlösungen soll eine Entlastung der Netze erreicht werden.

Ebenso ist auch im Wärmebereich bis 2030 Öl und Gas weitgehend durch erneuerbare Wärme und Abwärme aus Industriebetrieben zu substituieren. Dies erfordert in den Ballungsgebieten den Ausbau der Fernwärme und außerhalb der Ballungsgebiete den Ersatz von Öl- und Gasheizungen durch intelligente neue Heizsysteme, die auf Biomasse, Speichertechniken, Solarthermie und erneuerbaren Strom basieren. Ein Leitbild für die Energieversorgung im Jahr 2030 zeigt Tabelle 2:

2013 2030
Fossile Energien 830 420
Bioenergie 242 340
Wasserkraft 150 180
Strom aus Wind und PV 13 120
Solarthermie, Geothermie 15 40
Andere 50 30
SUMME 1300 1130

Tabelle 2: Bruttoinlandsverbrauch Energie, 2030
fossile und erneuerbare detailliert, Ö, PJ

Der mengenmäßig größte Zuwachs soll bei der Biomasse sowie bei Wind und Photovoltaik erfolgen. Die Biomasse soll vor allem im Wärmesektor, in der Stromerzeugung vor allem in kleineren KWK-Anlagen und als Biotreibstoff im Verkehrssektor vermehrt eingesetzt werden. Die Einführung von E10 und von flex-fuel Fahrzeugen, die mit E85 fahren, ist zu forcieren, ebenso Biodiesel für den Schwerverkehr und die Landwirtschaft. Im Verkehrssektor wird die E-Mobilität zunehmen; sie kann aber die Erwartungen betreffend Klimaschutz nur erfüllen, wenn der Strom zu 100% aus erneuerbaren Quellen stammt.

Um diesen raschen Umbau der Energiesystems zu erreichen sind Leitmaßnahmen notwendig, die im Aufruf des Netzwerkes „Arbeitsplätze durch Klimaschutz“ beschrieben sind. Dazu kommen eine Fülle von Detailmaßnahmen.

Ausblick: 100% erneuerbare Energien noch vor 2050!
Diese Strategie 2030 ist nicht das Ende der Energiewende. In den folgenden Jahrzehnten muss das Energiesystem zu 100% auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Dies wird dazu beitragen, dass Energie sicher, umweltfreundlich und billig bereitgestellt werden wird.

Der rasche Umbau des Energiesystems in der vorgeschlagenen Form ist das wirksamste und vernünftigste Beschäftigungsprogramm, das in Österreich realisiert werden kann. Zu einzelnen Leitmaßnahmen wird das Netzwerk eigene Vorschläge machen.

Österreich hat zu hohe CO 2 Emissionen!

Internationale Organisationen wie die UNO, der Internationale Klima-Rat (IPCC), die Weltbank warnen vor wirtschaftlichen und ökologischen Katastrophen, wenn es nicht rasch gelingt, die CO2

Emissionen deutlich zu reduzieren.

Nach Vorschlägen der EU Kommission sollen die Emissionen bis 2030 um zumindest 40% gesenkt werden, ausgehend von dem Klimaschutzszenario des IPCC sogar um 50%.

In Österreich sind sie dagegen seit 1995 im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern leicht gestiegen. Eine Strategie, die C02 Emissionen um 40% zu senken, wie in Brüssel beschlossen, ist nicht erkennbar.

Im Gegenteil, die niederen Öl- und Gaspreise begünstigen den neuerlichen Anstieg der Emissionen; und nach Angaben des Umweltbundesamtes werden in Österreich die Emissionen ohne neue Maßnahmen bis 2030 auf dem jetzigen Niveau bleiben; Österreich würde damit die internationalen Bemühungen zum Klimaschutz desavouieren.

Eine neue Energie- und Klimastrategie ist daher unabdingbar.

Ausgehend von Unterlagen der EU Kommission (EU energy in figures, statistical pocketbook 2014, Seite 169) wurde in einigen Ländern die Entwicklung der C02 Emissionen pro Kopf für den Zeitraum von 1995 bis 2012 untersucht.

Die Untersuchung bezog sich auf drei Nachbarländer Österreichs nämlich Deutschland, Italien, Ungarn, sowie auf zwei andere große EU Länder, Frankreich und England, sowie auf zwei Länder in Skandinavien, Dänemark und Schweden.

Dabei zeigte sich, dass in der Europäischen Union insgesamt und in allen untersuchten Ländern die C02 Emissionen pro Kopf in der untersuchten Periode zurückgingen – in Dänemark sogar um 40%, in Schweden um 20%, in den Nachbarländern Italien um 17% und in Deutschland um 10% – nur in Österreich sind sie leicht angestiegen! Die unten veröffentlichte Graphik verdeutlicht das Ergebnis.

Die C02 Emissionen pro Kopf sind eine entscheidende Messzahl zur Bewertung des Beitrages eines Landes zum globalen Klimaschutz. Österreich hat diese Emissionen in den vergangenen Jahrzehnten nicht gesenkt und trägt daher überdurchschnittlich stark zur Erderwärmung bei.

asdf

Auch die unten angeführte Tabelle zeigt, dass in allen untersuchten Ländern mit Ausnahme von Deutschland die C02 Emissionen je Kopf deutlich geringer sind als in Österreich!

Tab.: C02 Emissionen, Tonnen/Kopf und Jahr

Land 1995 2012 Veränderung
C02 t/cap C02 t/cap %
EU 9,03 7,87 -12,8
Deutschland 11,66 10,44 -10,5
Österreich 8,21 8,29 1,0
UK 9,98 8,18 -18,0
Dänemark 12,97 7,77 -40,1
Italien 7,99 6,59 -17,5
Frankreich 6,95 5,92 -14,8
Schweden 7,24 5,63 -22,2
Ungarn 5,98 4,69 -21,6

Die Höhe der C02 Emissionen liegt in Österreich mit 8,29 Tonnen/Kopf deutlich höher als im EU Durchschnitt – 7,87 Tonnen und deutlich höher als Ländern wie Italien, Frankreich, Schweden oder Ungarn. Lediglich Deutschland hat höhere Emissionen je Kopf als Österreich!

Um das 2°C Ziel mit vertretbarer Wahrscheinlichkeit zu erreichen, sollten die C02 Emissionen bis 2030 auf unter 4 Tonnen/Kopf sinken!

Gegen die Förderung von Schiefergas!

Für ein Verbot der Schiefergasförderung in Österreich

Was ist Schiefergas?
Schiefergas ist Methan (Erdgas), das in Gesteinsformationen eingeschlossen ist und bis vor wenigen Jahren mit den herkömmlichen Fördertechniken nicht gewonnen werden konnte. In den USA wurden vor einigen Jahren neue Techniken entwickelt, die darin bestehen, dass große Mengen Wasser versetzt mit einem Mix von Chemikalien unter Druck in Bohrungen, die zuerst vertikal und dann horizontal verlaufen, eingebracht werden und dadurch diese Gasvorkommen nutzbar machen.

Die Umweltgefährdung
Allerdings ist damit eine beachtliche Umweltgefährdung verbunden. In einem Fernsehbeitrag am 23.11. 2011 Weltjournal war zu sehen, welche Probleme die Gewinnung von Schiefergas herbeiführen Kann: Das Grundwasser wird vergiftet, in einigen Fällen brennt das Wasser, das aus den Leitungen kommt wegen des hohen Methangehalts, es gibt andere Fälle, wonach Menschen beim Duschen ohnmächtig wurden wegen des hohen Gasgehalts im Wasser etc. Dazu kommt, dass durch die Gewinnung riesige Wassermengen mit Chemikalien verseucht und damit für die Wasserversorgung unbrauchbar werden.

Wegen der hohen Umweltgefährdung hat Frankreich die Gewinnung von Schiefergas verboten.

Entscheidend ist zusätzlich, dass der Verbrauch fossiler Energien in den kommenden Jahren stark zurückgehen muss, damit die Erderwärmung sich nicht noch mehr beschleunigt. Wenn alle vorkommen an Öl, gas und Kohle, die man noch findet, auch tatsächlich genutzt werden, würde sich die Erde um weit über 8 Grad erwärmen!

Daher vertritt ENERGYPEACE die Ansicht, dass die Gewinnung von Schiefergas auch in Österreich so wie in Frankreich gesetzlich verboten werden soll und die dadurch frei gesetzten Mittel zum Ausbau der erneuerbaren Energien verwendet werden.

Für weitere Informationen siehe auch Artikel/Vorträge/Fachbeiträge.