4.1.2 Globaler Klimaschutz und die Position Österreich

FAKTEN – GLOBAL:

  1. Die weltweite Staatengemeinschaft hat  sich in verschiedenen Klimakonferenzen (Kopenhagen 2009,  Cancun 2010) darauf  festgelegt, den Temperaturanstieg in diesem  Jahrhundert auf unter 2 Grad zu begrenzen.
  2. Um die Erwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von 75% auf unter zwei Grad  zu  beschränken, dürfen global in der Zeit von 2000 bis 2050 höchstens 1000 Gt C02 emittiert werden.
  3. Im Zeitraum von 2000 bis 2010 wurden schon  300 Gt emittiert und jährlich kommen mehr als 30Gt dazu.  Geht das so weiter, dann dürfte im Sinne der Klimaziele nach 2030 überhaupt kein Kohlendioxid mehr emittiert  werden. Da dies nicht realisierbar ist, muss zumindest sogleich ein  konsequenter Rückgang der C02 Emissionen eingeleitet werden.
  4. Aus naturwissenschaftlicher Sicht geht es nicht  darum, ob Europa die Emissionen um 20 oder 30% reduziert, sondern ob es auf globaler Ebene gelingt, dass bis 2040 in keinem Land der Welt die C02 Emissionen pro Kopf höher als zwei Tonnen liegen. Nur dann bleibt die Chance bestehen, eine Erwärmung um  über zwei Grad mit einiger Wahrscheinlichkeit zu vermeiden.
  5. Die einzelnen Staaten dürfen mit dieser Reduktionsbeschränkung nicht warten, bis es dazu globale Beschlüsse gibt; denn dann würden  die Langsamsten das Tempo bestimmen, was zur Folge hätte, dass eine Erwärmung um drei, vier, fünf  oder mehr Grad eintritt und damit die Klimaentwicklung außer Kontrolle gerät.


FAKTEN – ÖSTERREICH

  1. Die C02 Emissionen in Österreich liegen momentan bei über 8 Tonnen je Kopf. Sie müssten im Sinne des zwei Grad Zieles um 6 Tonnen je Kopf reduziert werden. Das erfordert insgesamt eine Reduktion von rund 50 Mio. Tonnen.
  2. Die  Emissionen sind jedoch seit 1990 deutlich gestiegen, sie sind auch 2010 wieder höher als 2009 und sie werden durch die Inbetriebnahme neuer Gaskraftwerke weiter steigen. Im Hinblick auf den Kyoto-Vertrag liegt Österreich laut Klimaschutzbericht der Bundesregierung  im EU Ranking mittlerweile  an letzter Stelle.
  3. Die Emissionen kommen überwiegend aus den Sektoren  Produktion (Industrie, Gewerbe),  Verkehr, Stromerzeugung und privater Energieversorgung (Raumwärme, Warmwasser).
  4. Österreich gehört damit wie die USA oder Canada zu jenen Ländern, die ihre internationale Verantwortung zur Beschränkung der Erderwärmung nicht wahrnehmen und gemessen and der Bevölkerungszahl  überdurchschnittlich zur Erderwärmung beitragen!


INTERPRETATION – SCHLUSSFOLGERUNG:

  1. Bisher gibt es in Österreich keine wirksame Strategie zur Reduktion der Emissionen. Eine Neukonzeption der Klima- und Energiepolitik ist unabdingbar, damit Österreich zumindest seine internationalen  Verpflichtungen erfüllt.
  2. Um die Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden, sind nationale Alleingänge im Bereich der Produktion kaum möglich; Hauptansatzpunkte zur Reduktion müssten vielmehr der private Konsum, dann die Stromerzeugung und dann der Verkehrssektor sein.
  3. Rasche, konkrete Maßnahmen zur Senkung der Emissionen bieten sich daher an im privaten Bereich (Wärmeversorgung ohne fossile Energie) und der Stromerzeugung (keine neuen fossilen Kraftwerke!) an.