KLIMASCHUTZ 2015 und 2016: Zwei verlorene Jahre!

Fakten zur Entwicklung des Klimasystems – Unterwegs ins Klimachaos?

Die Klimakonferenz in Paris Ende 2015 brachte einen großen diplomatischen Erfolg. Doch die praktische Umsetzung lässt auf sich warten. In dieser Hinsicht waren 2015 und 2016 verlorene Jahre!

GLOBAL:

  • Die CO2-Konzentration der Atmosphäre erreichte im Mai 2016 einen bisher noch nie gemessen Rekordwert von 407 ppm!
  • 2016 wird als das wärmste Jahr in die Geschichte eingehen, seit es Messungen gibt!
  • Nach etwa 20 Jahren, um 2036, muss die Menschheit die Verwendung von Öl, Gas und Kohle auf Null senken, wenn der Verbrauch bis dahin auf dem derzeitigen Niveau bleibt und das 2°-Celsius-Ziel erreicht werden soll. (Die ZEIT, Ausgabe 45, 27. 10. 2016, Seite 14)
  • Der Klimawandel ist das „einzige wahrhaft globale Problem der Menschheit.“ (Die „ZEIT“, Ausgabe 45, 27. 10. 2016, Seite 13)

EUROPA:

Die Europäische Kommission stellte am 30. November 2016 ein umfangreiches Paket unter dem Titel „Clean Energy for All Europeans“ vor. Das Paket hat zumindest 5 entscheidende Nachteile:

  • Die Ziele zur Reduktion der Treibhausgase  – minus 40 Prozent bis 2030 gegenüber 1990  und 27 Prozent Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 – wurden nicht dem Abkommen von Paris angepasst. Sie sind ungenügend!
  • Der Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Effizienz unabhängig vom Energieträger. Das läuft auf eine Förderung effizienter Öl- und Gasheizungen mit EU-Mitteln hinaus und damit zu einer Blockierung riesiger Kapitalbeträge in fossilen Strukturen.
  • Es wird an dem Emissionshandelssystem festgehalten, obwohl das System den Wärmemarkt und Transportsektor nicht einschließt. Das wäre nur mit einer allgemeinen Kohlenstoffsteuer möglich.
  • Der Vorrang beim Netzzutritt für Strom aus erneuerbaren Quellen wird weitgehend abgeschafft; damit werden die Investitionen in diese Stromerzeugung zurückfallen und Strom in Europa bis 2030 überwiegend aus fossilen und atomaren Quellen erzeugt werden.
  • Konventionelle Biotreibstoffe in Verbindung mit der Produktion von Eiweißfuttermitteln werden weiter reduziert und stattdessen auf teure, bisher am Markt noch kaum bewährte Treibstoffe aus Zellulose gesetzt, für die die Rohstoffbasis in Europa teilweise fehlt.

Mit diesem Programm kann Europa seinen Beitrag zur Einhaltung des Abkommens von Paris nicht erbringen. Brüssel ignoriert die physikalischen Realitäten des Klimawandels.

ÖSTERREICH: 

Das Jahr 2015:

  • Der energetische Endverbrauch stieg um 3 Prozent auf 1087 Petajoule.
  • Der Verbrauch bei Gas stieg um 3,5 Prozent, bei Erdölprodukten um 2,6 Prozent.
  • Die Netto-Stromimporte überstiegen erstmals die Marke von 10 Milliarden kWh. Importstrom kommt aber überwiegend aus Kohle- oder Atomkraftwerken.
  • Der Autobestand stieg um 1,2 %, der Energieverbrauch des Straßenverkehrs um 2,5%.
  • Die Emissionen an Treibhausgasen erhöhten sich um 2,5 Mio. Tonnen, das sind 3,2 % mehr als 2014. Sie erreichten mit 78,8 Mio. Tonnen den gleichen Wert wie 1990.
  • Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen (Wasserkraft, Biomasse, Windkraft, Photovoltaik und Geothermie) stieg gegenüber 2014 um 0,1 % auf 69,3 %.

Das Jahr 2016

  • Das Abkommen von Paris wird ratifiziert; es erfordert jedoch, dass Österreich seine Treibhausgas-Emissionen jährlich um mindestens 3 Mio. Tonnen senkt, das entspricht minus 60% bis 2030, um den  Beitrag zur Erreichung des 2°C-Zieles zu leisten.
  • Das Jahr 2016 geht ohne neue Maßnahmen zur Senkung der Emissionen zu Ende. Im Gegenteil, die Bundesregierung einigt sich nicht, zumindest bis Anfang Dezember 2016, auf eine Ökostromnovelle. Damit droht das Ende für viele Biogas- und Holzverstromungs-anlagen, die jährlich 2,6 Milliarden kWh Strom und auch mehr als eine Milliarde kWh Wärme liefern. Das würde zu einer weiteren Erhöhung der Emissionen an Klimagasen führen.
  • Die Bundesregierung startet einen einjährigen Prozess zur Erarbeitung einer Energie- und Klimastrategie. Den Arbeitsgruppen wird jedoch nicht das klare Ziel vorgegeben, Vorschläge zur Einhaltung des Abkommens von Paris zu erarbeiten. Die starke Vertretung der Sozialpartner in den Arbeitsgruppen lässt erwarten, dass die Ergebnisse auf eine Weiterführung des status quo hinauslaufen werden.
  • Öl- und Gaspreise bleiben niedrig; eine nennenswerte Senkung der Emissionen ist daher nicht zu erwarten!

RESUMÉE

Die physikalischen Daten belegen eine dramatische Beschleunigung des Klimawandels. Diese kann nur durch eine rasche und tiefgreifende Änderung des Energiesystems erreicht werden.

Die dazu notwendigen Schritte sind bisher weder auf österreichischer noch auf europäischer Ebene zu erkennen. Die aktuellen Rahmenbedingungen führen zu einer Erwärmung von 3 bis 6° C in diesem Jahrhundert. Das kann noch verhindert werden! Wie?

  • Verstärkte Information über das Ausmaß des Problems (siehe Buch: Paris – wie weiter?)
  • Leitmaßnahme ökologische Steuerumschichtung (Ausarbeitung 2017, Umsetzung ab 2018)
  • Einwirken auf Brüssel, die Klimapolitik auf das Abkommen von Paris auszurichten
  • 100 % erneuerbarer Strom bis 2030 durch ein neues Ökostromgesetz 2017
  • Schrittweises Verbot neuer Ölkesseln, später auch Gaskesseln,  sozial abgefedert
  • Ausarbeitung detaillierter Sektorprogramme – Raumwärme, Energiebereitstellung, Verkehr, Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft zur Reduktion der Emissionen um 30 bis 90 Prozent je nach Sektor, um in Summe eine Reduktion um minus 60 % bis 2030, zu erreichen.

Wer hat die Kompetenz diese Maßnahmen umzusetzen? In Österreich de facto die Mitglieder der Bundesregierung und der neun Landesregierungen unterstützt durch die Spitzen der Sozialpartner, in Europa die Regierungschefs der 28 Mitgliedsländer und die Europäische Kommission.

Sollte die Enkelgeneration in einigen Jahrzehnten im Klimachaos versinken, so wäre das Nichthandeln der Amtsträger in diesen Organen zwischen 2015 bis 2020 eine wichtige Ursache dafür. Jetzt genügt es nicht mehr Einzel- und Gruppeninteressen zu verteidigen, sondern es gilt, das Gemeinwohl im Sinne der gesamten Menschheit und der kommenden Generationen voranzustellen.

Vielleicht bieten die kommenden Wochen Gelegenheit, sich einmal in Ruhe auszudenken, was auf die kommenden Generationen zukommt, wenn jetzt nicht mutig und vorausschauend gehandelt wird (siehe Seite 66 und 67 in der Publikation „Paris – wie weiter?“).

Heinz G. Kopetz

PS: Im Anhang zur Verdeutlichung einige Graphiken.

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Bild 1: Die rasche Zunahme der Konzentration von CO2 in der Atmosphäre ist die unmittelbare Ursache des Klimawandels. Der erste kritische Wert von 400ppm ist schon überschritten. Werden 420ppm erreicht, so sind die Ziele von Paris kaum noch erreichbar. Bei Beibehalten der aktuellen Politik, wird diese Schwelle vor 2026 überschritten werden.

 

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Bild 2: Österreich: Die Ursache für den Anstieg der CO2 Konzentration in der Atmosphäre (Bild 1) liegt in den hohen Emissionen an Treibhausgasen. Österreich emittiert aktuell fünf Mal so viel wie mit dem 2°C vereinbar. Bei Beibehalten der aktuellen Politik trägt Österreich überdurchschnittlich zu einem Klimachaos in diesem Jahrhundert bei. Nur mit einer raschen Senkung der Emissionen – jährlich 3 Mio. Tonnen – kann Österreich seinen Beitrag zur Erreichung der Ziele des Paris Abkommens erbringen (Bild 2).

 

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Bild 3: Ein Rückgang der Emissionen um 3 Mio. Tonnen jährlich in Österreich erfordert  ein weitgehendes Aus fossiler Energien für Wärme und Strom, einen starken Rückgang im Verkehr, prozessbedingte Emissionen (CO2 aus Stahl-, Zementerzeugung, CH4 aus der Rindhaltung) werden bleiben. Das folgende Szenario vermittelt dazu eine konkrete Vorstellung.

 

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Bild 4: In der Publikation „Paris – wie weiter;“ werden die physikalischen Hintergründe und die notwendigen Maßnahmen gegen den Klimawandel etwas ausführlicher erklärt:

 

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