Österreich hat zu hohe CO2 Emissionen! Mit einer Kohlenstoffabgabe gegensteuern!

Die Botschaft:

Internationale Organisationen wie die UNO, der Internationale Klima-Rat (IPCC),die Weltbank warnen vor wirtschaftlichen und ökologischen Katastrophen, wenn es nicht rasch gelingt, die CO2 Emissionen deutlich zu reduzieren.

Nach Vorschlägen der EU Kommission sollen die Emissionen bis 2030 um zumindest 40% gesenkt werden, ausgehend von dem Klimaschutzszenario des IPCC sogar um 50%.

Österreich hat aktuell deutlich höhere Emissionen als der EU-Durchschnitt, sogar höhere C02 Emissionen pro Kopf als China; 2013 sind die Emissionen sogar wieder leicht gestiegen.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes werden in Österreich die Emissionen ohne neue Maßnahmen bis 2030 auf dem jetzigen Niveau bleiben; Österreich würde damit die internationalen Bemühungen zum Klimaschutz desavouieren.

Eine wirksame Maßnahme zur Senkung der C02 Emissionen ist eine Kohlenstoffabgabe im Rahmen einer umfassenden Steuerreform.

Am 9.9. 2014 ging eine alarmierende Meldung um die Welt:

Die CO2 Konzentration der Atmosphäre erreicht Rekordwert, die Meere versauern, die Zeit für wirksamen Klimaschutz läuft davon, China und USA – die großen Klimasünder!
Am 10.9. wurde in Österreich teilweise beruhigt: „Seit 2005 ist die Wirtschaft um elf Prozent gewachsen, der Ausstoß von CO2 sank währenddessen um 14%.“(Presse 10.9. S.15)

Wie sind diese Meldungen einzuordnen, welche Schlussfolgerungen sind zu ziehen?

Aus globaler Sicht:
Die Treibhausgase umfassen Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Stickoxide(N20) und andere Spurengase. Sie halten einen Teil der eingestrahlten Sonnenenergie zurück, wirken wie ein Glashaus und bedingen daher einer Erwärmung der Erde (Treibhauseffekt). Etwa 76% der Treibhauswirkung entfallen auf das CO2. Daher wird manchmal nur von Kohlendioxid gesprochen; die Wirkung aller Treibhausgase (THG) wird in Äquivalent von CO2 ausgedrückt = CO2 eq.

Im Bericht der dritten Arbeitsgruppe des IPCC (Intergovermental Panel on Climate Change), veröffentlicht im Frühjahr 2014, werden detaillierte Angaben gemacht: Demnach waren 2010 die globalen THG Emissionen 49 Gt CO2eq, davon 38 Gt CO2, zum Großteil aus der Verbrennung fossiler Energieträger. Von 2010 bis 2012 stiegen die Emissionen um weitere 4%.
(Anmerkung: Gt = Giga Tonne = eine Milliarde Tonnen)

Im Bericht der ersten Arbeitsgruppe des IPCC über die physikalischen Grundlagen des Klimawandels, vom September 2013, wurde ein Klimaschutzszenario präsentiert, das einer Beschränkung der Erderwärmung auf unter 2°C mit einer Wahrscheinlichkeit von 66% entspricht.
Demnach dürften nur 11,3 Gt CO2 pro Jahr emittiert werden statt 38 Gt in 2010. Legt man diese Zahlen auf die Emissionen pro Kopf um, so heißt das: Im Sinne des 2°C Zieles dürften nur 1,6 Tonnen C02/Kopf und Jahr ausgestoßen werden, statt 5,3 Tonnen derzeit.
Wenn die Emissionen noch einige Jahre so hoch bleiben oder weiter steigen, dann müssten sie in den kommenden Jahrzehnten drastisch reduziert werden um 90%, 100% oder sogar mehr als 100% durch Eingraben riesiger Mengen CO2 in die Erdkruste, um die Klimaziele noch zu erreichen.

Es ist daher unbestritten: Die CO2 Emissionen weltweit sind viel zu hoch! Wenn sie so hoch bleiben, wird es unmöglich die Temperaturerhöhung auf 2°C zu beschränken, die alarmierenden Meldungen sind daher berechtigt. Um die Dramatik dieser Entwicklungen besser zu erkennen, ist ein Blick in die Erdgeschichte hilfreich.

Kohlenstoff in der Erdgeschichte
Das Schlüsselelement für die Klimaentwicklung ist der Kohlenstoff, der in der Atmosphäre und in den Ozeanen als Kohlendioxid (CO2) und in der Biosphäre in Kohlenwasserstoff-verbindungen (Zucker, Stärke, Zellulose etc.) gespeichert wird. Kohlenstoff zirkuliert in der Natur in einem Kreislauf zwischen diesen natürlichen Kohlenstoffspeichern. Im Mittelpunkt dieses Kreislaufes steht die Photosynthese, ein Prozess durch den CO2 aus der Luft mit Hilfe der Energie der Sonne aufgenommen und in Biomasse eingebaut wird. Die grünen Pflanzen und die Algen sind zu dieser Photosynthese befähigt.

In den erdgeschichtlichen Perioden des Karbon und Perm, also vor 250 bis 350 Jahren, war der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre etwa 100 Mal so hoch wie heute. Damals war es wesentlich wärmer; es gab einen deutlich weniger Sauerstoff in der Luft, keine hochentwickelten Lebewesen aber ein besonders üppiges Pflanzenwachstum. Große Mengen dieser Biomasse wurden durch erdgeschichtliche Abläufe in die Erdkruste eingelagert und zum Ausgangspunkt für die großen Kohle-, Öl- und Gasvorräte. Auch der Humusaufbau in Wäldern und Savannen führte zum Rückgang des C02 in der Luft. Durch diese Prozesse verringerte sich der Gehalt an C02 in der Atmosphäre über Millionen Jahre immer weiter bis er sich vor etwa 3 Millionen Jahre auf ein dynamisches Gleichgewicht einpendelte und von da an zwischen 180 bis 280 ppm schwankte. (ppm = pars per million)

Seit Beginn der Industrialisierung, etwa seit 1800 begann der C02 Gehalt wieder zu steigen. Zuerst langsam, doch der Abbau der fossilen Energieträger beschleunigte sich immer mehr und erreichte in den letzten Jahren Rekordwerte – dementsprechend stieg die C02 Konzentration der Atmosphäre immer schneller und erreichte zuletzt 400ppm. Nunmehr zeigt die Wissenschaft klar auf: Wenn diese Trends so weitergehen, wird ein erdgeschichtlicher Prozess rückgängig gemacht mit dem Effekt, dass in einigen Jahrzehnten immer größere Teile der Erde für Menschen unbewohnbar werden. Der Ausweg: Die fossilen Energieträger müssen in der Erde bleiben und die Menschheit muss sich auf erneuerbare Energieträger umstellen: Je schneller, desto besser! Doch ein Blick auf die Welt, wie sie ist, zeigt: das ist leichter gesagt als getan!

Die Rolle der internationalen Gremien

Die UNO, der Internationale Klima-Rat (IPCC), die Weltbank sind sich der historisch einmaligen Gefährdung unserer Zivilisation bewusst und bemühen sich der Staatengemeinschaft den Ernst der Lage zu erklären. Auch der UNO Klimagipfel vom 23.9. 2014 dient diesem Zweck. Doch Beschlüsse zu einer verbindlichen Reduktion der THG Emissionen können auf internationaler Ebene nur einstimmig fallen. Länder mit großen Vorräten an fossilen Energieträgern hätten wirtschaftliche Nachteile, wenn es zu Reduktionsbeschlüssen kommt, die dem Ernst der Lage gerecht werden. Daher blockieren sie solche Beschlüsse. Das gilt auch für die Europäische Union. Polen mit den großen Kohlevorräten trat in letzter Zeit zunehmend als Bremser gegen eine naturwissenschaftlich als notwendig erkannte Klimaschutzpolitik auf.

In diesem Sinne bestimmen auf internationaler Ebene die Langsamsten das Tempo der Klimaschutzpolitik. Dieses Schneckentempo wird jedoch nicht reichen, um der Enkelgeneration ein Klimadesaster zu ersparen. Nur wenn immer mehr Nationalstaaten, die ja die Kompetenz für eine wirksame Klimaschutzpolitik haben, den Ernst der Lage erkennen und ihre Emissionen auf jenes Maß senken, dass naturwissenschaftlich notwendig ist, besteht die Chance, das Klimaziel zu erreichen.

Wo steht Österreich?
Ein Blick in das internet gibt einen ersten Überblick:(www.factfish.com/de/statistik/co2+emissionen+pro+kopf)

Nach dieser Quelle waren 2010 die CO2 Emissionen in Österreich 7,97 Tonnen/Kopf und Jahr, in China 6,19 Tonnen und in den USA 17,56 Tonnen. Die Übersicht 1 (Tab 1) zeigt das graphisch:

tabelle1

Die Mär vom Klimasünder China ist nicht ganz richtig. Österreich hat bis jetzt höhere C02 Emissionen pro Kopf als China, höher als der EU Durchschnitt und liegt weit über dem Sollwert von 1,6 Tonnen, der sich aus der IPCC Klimaschutzszenario ableitet. In Österreich sind die C02 Emissionen pro Kopf um 40% höher als in Schweden und um 60%höher als in der Schweiz!! Wenn Österreich seinen solidarischen Beitrag zur Erreichung des 2°C Zieles erreichen will, müssen die CO2 Emissionen pro Kopf bis 2030/2035 um mindestens 50% also unter 4 Tonnen pro Kopf reduziert werden!

Wenden wir jetzt einen Blick auf die Gesamtheit der THG Emissionen (C02 eq.).

Die folgende Tabelle liefert ein ähnliches Bild. Es ist richtig, wie die Presse schreibt, dass die THG Emissionen von 2005 bis 2012 um 13,6% zurückgingen, sie liegen allerdings 2013 immer noch um drei Prozent höher als 1990, dem Bezugsjahr und sind 2013sogar wieder leicht gestiegen.

Tab. 2: Entwicklung der THG Emissionen in Österreich, Millionen Tonnen C02 Äquivalent (Quelle: Umweltbundesamt)

Mio. t Co2 eq

1990 78,1
2005 92,6
2010 85,0
2011 83,0
2012 80,2
2013* vorläufig 80,5
Kyoto Zielwert für 2012 68,0

Die entscheidende Frage lautet:

Wie werden sie sich die THG Emissionen bei Fortsetzen der aktuellen Politik weiterentwickeln?
Diese Frage hat das österreichische Umweltbundesamt in einer interessanten Studie untersucht:  „GHG projections and assessment of policies and measures for Austria, Vienna, March 2013”.

Die Übersicht 2 zeigt in der blauen Linie die Entwicklung von 1990 bis 2013. Die obere Linie in hellbraun zeigt laut UBA den Trend bis 2030 ohne neue Klimaschutzmaßnahmen. Die graue, mittlere Linie zeigt die Reduktionserfordernisse auf Grund der Brüsseler Vorschläge zur Reduktion um 40% gegenüber 1990. Die gelbe Linie entspricht dem IPCC Vorgaben.

Übersicht 2: Entwicklung und Projektion der Treibhausgasemissionen in Österreich

Screen Shot 2014-09-15 at 15.37.28Quelle: Studie Umweltbundesamt GHG projections 2013, Berechnungen ENERGYPEACE

Ohne neue Maßnahmen werden sich demnach die THG Emissionen bis 2030 auf einem Niveau leicht über 80 Mio. t einpendeln. Im Sinne der Klimaschutzziele sollten sie dagegen gemäß EU Vorschlag auf 47 Mio.t und ausgehend von dem IPCC Klimaschutzszenario auf 39,0 Mio. t sinken.

Warum sind die Aussichten für die Reduktion der Treibhausgase in Österreich so ungünstig?
Dafür gibt es eine Reihe von Gründen:

  • Es wird ignoriert, dass die Klimaschutzziele bis 2030/35 nur erreicht werden können, wenn der Einsatz der fossilen Energieträger faktisch halbiert wird. Das erfordert einen tiefgreifenden Umbau des Energiesystem, vom dem derzeit nicht die Rede ist!
  • Österreich verzichtet auf die Atomenergie und müsste daher die erneuerbaren Energien viel rascher ausbauen als Länder mit Atomenergie – doch das erfolgt nicht!
  • Im Gegenteil, der Ausbau der erneuerbaren Energien wurde durch eine Reihe von Maßnahmen verlangsamt: Verzicht auf 10% Beimischung von Biotreibstoffen, Kürzung der Mittel für die Umstellungen im Wärmesektor, für die Wärmedämmung, ungenügende Einspeistarife für Strom aus Biogas/Biomasse, Förderung von Ölheizungen während in anderen Ländern der Einbau von Ölbrennern aus Klimaschutzgründen verboten wird.
  • Geringe Besteuerung der fossilen Energien im Vergleich zum Ausland, sogar Steuerbefreiungen für Erdgas im Falle der Verstromung.

Dazu kommt: Angesichts der neuen IPCC Erkenntnisse sind die Ziele, die sich aus der 20:20:20 Politik der EU ableiten, die ja schon 2008 konzipiert wurde, ungenügend, um das 2°C Ziel zu erreichen. Doch Österreich konzentriert sich auf diese Ziele für 2020 und nimmt nicht zur Kenntnis, dass die neuen naturwissenschaftlichen Fakten wesentlich weitreichende Reduktionsziele und Maßnahmen erfordern!

Damit kommen wir zurück auf die eingangs gestellte Frage. Österreich zählt nicht zu den Pionieren im Klimaschutz sondern eher zu den Nachzüglern. Österreich hat zu hohe C02 Emissionen und verhindert damit die Erreichung des 2°C Zieles. Nur mit wirksamen neuen Maßnahmen ist eine Trendänderung möglich.

Die zentrale Maßnahme für eine wirksame Klimaschutzpolitik ist die Einführung einer C02Abgabe im Rahmen der kommenden Steuerreform, deren Einnahmen zu Finanzierung der Entlastungen bei Lohn- und Einkommensteuer, zur Senkung der Lohnnebenkosten und für soziale Ausgleichsmaßnahmen dienen sollte.


Anhang
Zahlen zu den Übersichten 1 und 2.

Tabelle 1: C02 Emissionen pro Kopf im Jahre 2010 Qu.: factfish

Land

CO2 Tonnen/Kopf

Welt Durchschnitt 5,3 ( nach IPCC Angaben)
Soll Wert nach IPCC Klimaschutz 1,60
USA 17,56
Österreich 7,97
China 6,19
Schweden 5,60
Schweiz 4,95
Brasilien 2,15
Indien 1,67

 

 

Tab.3: Österreich: Prognose der Treibhausgasemissionen bis 2030 bei Fortführung der bestehenden dh ohne neue Maßnahmen, Mio Tonnen CO2 equ.

THG Emissionen 1990 2010 2012 2020 2030
Rückblick 78,1 85,0 80,2
Projektion ohne neue Maßn. 81,6 84,0
EU Vorschlag Ziel minus 40%   1) 66,3 46,9
Zielwert abgeleitet aus IPCC Bericht -50% bis 2030/2035 1) 61,5 39,0

Quelle: Umweltbundesamt, „GHG projections and assessment of policies and measures for Austria. Vienna March 2013.und 1) eigene Berechnungen

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